Wenn jeder Coach sein kann – woran erkennst du einen guten Coach?
- 6. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Etwas bringt mich seit einiger Zeit aus meiner inneren Ruhe. Nicht laut. Nicht dramatisch. Aber hartnäckig.
Es hat mit dem Coaching-Boom im Internet zu tun.
Ich bemühe mich wirklich, Verständnis zu haben. Jeder Mensch hat seine Geschichte.
Jeder geht seinen eigenen Weg. Und doch ertappe ich mich manchmal bei dem Gedanken:
„Es nervt. Hör auf, Dinge einfach nachzuplappern und so zu tun,
als hättest du sie selbst entdeckt.“
Ich spreche von Menschen im Netz, die sich Life-Coach, Business-Coach, spirituelle Berater oder ähnlich nennen – ohne jemals wirklich gelernt zu haben, mit Menschen in der Tiefe zu arbeiten.
Der Begriff Coach ist nicht geschützt.
Das bedeutet: Jeder darf sich so nennen – ganz unabhängig von Ausbildung oder Erfahrung.
Natürlich: Nicht jede gute Begleitung braucht ein Zertifikat. Und manchmal sagt eine Ausbildung allein noch nichts über die Qualität eines Menschen aus. Doch gleichzeitig frage ich mich immer öfter:
Wissen diese Menschen eigentlich, welche Verantwortung sie übernehmen, wenn sie andere einladen, sich ihrem Inneren zuzuwenden?
Wissen ist nicht Erfahrung
Im Social Media wirkt vieles glänzend.
Viele Follower. Viele kluge Worte. Viele Videos.
Doch Follower sind oft einfach nur … Follower.
So wie Fitnessstudios tausend Mitglieder haben und hundert trainieren wirklich.
Heute kann man sich zu jedem Thema Wissen herunterladen.
Auch zu Trauma. Auch zum inneren Kind. Auch zu Persönlichkeitsentwicklung.
Man kann darüber sprechen. Man kann es vor der Kamera wiederholen.
Doch Wissen allein ist noch keine Erfahrung.
Good Will Hunting
Es gibt einen Moment im Film Good Will Hunting, der mich immer wieder berührt.
Sean Maguire sitzt mit Will Hunting auf einer Parkbank und hält einen Monolog
über das Leben. Er sagt:
„Ich würde dich nach Liebe fragen, und du würdest mir wahrscheinlich ein Sonett zitieren. Aber du hast noch nie eine Frau angesehen und warst völlig verletzlich.“
Während er spricht, fährt die Kamera langsam auf Wills Gesicht. Und man sieht: Er versteht plötzlich, was Sean meint.
Dass Wissen über das Leben noch lange nicht bedeutet, es auch wirklich gefühlt zu haben.
Genau dieser Unterschied begegnet mir manchmal auch im Coaching.
Man kann über Gefühle sprechen. Oder man kann Menschen wirklich begegnen.
Was Coaching für mich bedeutet
Coaching ist für mich kein Methodenkoffer.
Es geht nicht darum, möglichst schnell Lösungen zu produzieren.
Es geht auch nicht darum, jemanden von der eigenen Sichtweise zu überzeugen.
Es geht darum, einen Raum zu halten.
Einen Raum, in dem ein Mensch mit dem da sein darf, was gerade in ihm lebt.
Mit Trauer. Mit Angst. Mit Scham. Mit Zweifeln.
Und manchmal bedeutet das einfach: zu beobachten. zu schweigen. zu spüren.
Ein guter Coach weiß auch,
wann er nicht der richtige Mensch ist.
Wann es Zeit ist, weiterzuverweisen.
Und er kann sagen: „Das weiß ich gerade auch nicht.“
Auch das gehört zu verantwortungsvollem Coaching.
Woran erkennst du einen guten Coach?
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, gute oder schlechte Coaches zu benennen. Vielleicht geht es darum, ein paar Dinge wahrzunehmen, wenn du jemanden auswählst, dem du dein Inneres anvertrauen möchtest.
Ein guter Coach …
· hält Raum, statt sofort Lösungen zu liefern.
· stellt Fragen, statt dich von seiner Wahrheit zu überzeugen.
· kann Stille aushalten, ohne sie sofort zu füllen.
· kennt seine Grenzen und verweist weiter, wenn es notwendig ist.
· und vor allem: er lässt dich fühlen, dass du gesehen wirst.
Denn einen guten Coach zu erkennen, hat oft weniger mit großen Worten zu tun
und viel mehr mit dem Gefühl, wirklich wahrgenommen zu werden.
Glaub nicht alles, was du im Internet hörst. Glaub auch mir nicht einfach.
Spür hin.
Was passiert in deinem Körper, wenn jemand über Trauma spricht?
Über Heilung? Über dein inneres Kind?
Fühlst du dich gesehen? Oder nur überzeugt?
Eine kleine Einladung
Vielleicht ist das der wichtigste Kompass:
Nicht nur hören, was jemand sagt. Sondern spüren, wie er es sagt.
Denn Menschen begleiten ist kein Trend. Es ist ein sensibles Handwerk.
Und manchmal beginnt gute Begleitung genau dort, wo jemand den Mut hat zu sagen: „Ich weiß es auch nicht – aber ich gehe ein Stück mit dir.“
Wenn du spüren möchtest, wie sich echte Begleitung anfühlen kann, findest du hier mehr über meine Arbeit.
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